Die Frage „Was kostet ein Franchise?“ lässt sich seriös nicht mit einer einzigen Zahl beantworten. Die Eintrittsgebühr bezahlt den Zugang zum System, während der tatsächliche Start zusätzlich Standort, Ausstattung, Betriebsmittel und eine ausreichende Liquiditätsreserve finanzieren muss.

1. Eintrittsgebühr

Die einmalige Eintrittsgebühr vergütet typischerweise Vorleistungen und Rechte des Systems, etwa Konzept, Know-how, Schulung, Standortunterstützung oder Markennutzung. Die genaue Leistung muss im Franchisevertrag und in den vorvertraglichen Informationen nachvollziehbar sein. Eine niedrige Eintrittsgebühr bedeutet nicht automatisch eine günstige Gesamtinvestition.

2. Standort und Mietkosten

Bei stationären Konzepten können Kaution, erste Mieten, Makler- oder Beratungsleistungen, Ausbau, technische Anforderungen und Nebenkosten einen großen Teil des Kapitalbedarfs ausmachen. Prüfen Sie, welche Standortgröße und Lage das System voraussetzt und ob die veröffentlichte Investitionsspanne realistische Miet- und Ausbauannahmen für Ihre Region enthält.

3. Umbau, Ausstattung und Technik

Je nach Branche entstehen Kosten für Möbel, Küchentechnik, Maschinen, Fahrzeuge, Kassensysteme, IT, Beschilderung oder Sicherheitsausstattung. Entscheidend ist, ob diese Positionen gekauft, geleast oder finanziert werden und welche Folgekosten daraus entstehen.

4. Warenbestand und Verbrauchsmaterial

Handel und Gastronomie binden vor der Eröffnung Geld in Waren. Auch Dienstleistungsbetriebe benötigen häufig Arbeitsmaterial, Uniformen oder lokale Werbemittel. Ein zu hoher Anfangsbestand kann Liquidität unnötig blockieren.

5. Personal vor dem ersten Umsatz

Rekrutierung, Einarbeitung, Schulung und Lohnkosten können bereits vor der Eröffnung beginnen. Planen Sie nicht nur den ersten vollen Betriebsmonat, sondern auch die Vorlaufphase.

6. Laufende Franchisegebühren

Nach Angaben des Deutschen Franchiseverbandes werden laufende Gebühren häufig prozentual vom Nettoumsatz berechnet und bewegen sich je nach System und Leistung typischerweise in einem breiten Rahmen von 1 bis 15 Prozent. Manche Systeme arbeiten mit Pauschalen oder anderen Berechnungsmodellen. Werbeumlagen können zusätzlich anfallen.

7. Betriebsmittel und Liquiditätsreserve

Eine Eröffnung beendet den Kapitalbedarf nicht. Miete, Löhne, Versicherungen, Waren, Energie, Kreditraten und Gebühren fallen auch dann an, wenn der Umsatz langsamer als geplant wächst. Erstellen Sie mindestens drei Szenarien: erwarteter Verlauf, verzögerter Anlauf und deutlich schwächerer Start.

8. Private Lebenshaltungskosten

Die betriebliche Liquidität sollte nicht stillschweigend die privaten Ausgaben des Gründers finanzieren müssen. Planen Sie Miete, Krankenversicherung, Lebenshaltung und persönliche Verpflichtungen separat, besonders wenn in den ersten Monaten noch kein volles Unternehmergehalt möglich ist.

9. Finanzierungskosten

Zinsen, Bereitstellungsgebühren, Leasingraten und Sicherheiten gehören in den Gesamtplan. KfW empfiehlt für Gründungsfinanzierungen einen Liquiditäts- beziehungsweise Finanzplan und eine Rentabilitätsvorschau. Das zeigt, warum ein Kapitalbedarf nicht nur als einmalige Einkaufsliste betrachtet werden darf.

10. Sicherheitszuschlag

Umbauverzögerungen, zusätzliche Auflagen oder höhere Anschaffungskosten sind bei Gründungen möglich. Ein angemessener Puffer schützt vor der Situation, dass die Finanzierung exakt bis zum Eröffnungstag reicht und danach kein Spielraum mehr vorhanden ist.

So vergleichen Sie zwei Franchisesysteme

Vergleichen Sie nicht nur die Eintrittsgebühr. Stellen Sie für beide Systeme dieselben Kostenblöcke gegenüber: Standort, Ausbau, Ausstattung, Waren, Vorlaufpersonal, Marketing, Betriebsmittel und wiederkehrende Gebühren. Erst dann wird sichtbar, welches Konzept tatsächlich mehr Kapital bindet.

Quellen prüfen

Nutzen Sie aktuelle Unterlagen des Franchisegebers. Für allgemeine Fragen zu Gebühren und Finanzierung sind der Deutsche Franchiseverband und die KfW hilfreiche Ausgangspunkte. Konkrete Zahlen eines Systems sollten nicht aus einem alten Branchenartikel übernommen werden, wenn aktuelle Originalunterlagen verfügbar sind.

Quellen

Häufige Fragen

Ist die Eintrittsgebühr die gesamte Franchise-Investition?

Nein. Zusätzlich können Standort, Ausbau, Ausstattung, Waren, Personal, Marketing, Beratung, Finanzierung und Betriebsmittel anfallen.

Wie viel Liquiditätsreserve sollte eingeplant werden?

Das hängt vom Geschäftsmodell, der Kostenstruktur und dem erwarteten Umsatzanlauf ab. Sinnvoll ist eine monatliche Liquiditätsplanung mit einem langsameren Start als Stressszenario.

Welche Quelle ist für konkrete Systemkosten am wichtigsten?

Aktuelle Unterlagen des jeweiligen Franchisegebers. Allgemeine Branchenquellen helfen bei der Struktur, ersetzen aber keine aktuellen Systemzahlen.